Gottesdienst

0021: Was ich gemacht habe, muss raus aus der Sippe, dringend!

Was ich gemacht habe, muss raus aus der Sippe, dringend!

Ich war nicht nur krank, ich war auch ein Kranker,
der nicht gekämpft hat, um gesund zu werden, wenigstens im Kopf!
Wenn schon sonst nichts ging, das wäre ich ihnen schuldig gewesen.

Weißt du, was passiert, wenn die nie sagen dürfen: 
Der ist einfach abgehauen und hat mich sitzen gelassen? 
Dann halten die so ein Abhauen für richtig, auch für sich selbst.
Du, die kommen auch mal in Lebensphasen,
da glauben die, dass nichts mehr geht, was dann?

Verstorbenenkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit Friedrich zu verbinden. Seine Frau Hanna bittet um diesen Kontakt.

Friedrich ist sofort bei mir, eigentlich wollte ich nur schnell einen Blick in die Akte werfen, um dann in Ruhe zu frühstücken, aber er bleibt einfach bei mir, versucht zur Sprache zu kommen, egal was ich tue.
Also entschließe ich mich auf mein Frühstück zu verzichten, beginne mich auf ihn einzulassen.

U: Du drängst mich, Friedrich, warum?

F: Ne, tu ich nicht.

U: Ach, na hör mal, wer will beim Frühstück schon mit einem Verstorbenen reden?

Er lacht, hübsch ist er, wenn er das tut, schöne Zähne…
Er legt mir eine Margerite auf den Tisch…

F: Bööööse? (Er kann ganz schön charmant sein.)

U: Nein, na komm, fangen wir an!

F: tja!
Er setzt sich zu mir, trägt ein helles Jackett, Jeans, ein blaues Hemd, keiner Krawatte …

U: Ne, nie wieder was um den Hals!

F: Hm, hm, ich weiß schon, was du gemacht hast …

Er wird ganz rot im Gesicht und seine anfängliche Heiterkeit ist wie weggeblasen. Vor sich auf dem Tisch hat er einen Autoschlüssel liegen, mit dem herumspielt, den Kopf hält er gesenkt, als er sagt:

F: Was soll man da noch sagen? Ich kann mich nicht entschuldigen, weil ich gar nicht will, dass sie das tun! Das darf man nicht!

U: Was darf man nicht?

F: kleinreden …

U: ?

F: Die Schuld kleinreden, ich will das nicht haben. Das ist gefährlich!

U: Für wen ist das gefährlich?

F: ne, nicht für mich! Das verstehst du gerade falsch.

(Er hat recht, ich dachte gerade, es würde den Fortschritt seiner Seele hindern, würden wir davon reden, dass es eben seine psychische Lage gebot, so zu handeln.)

U: Wen siehst du dann in Gefahr?

F: Mensch, alle die mich lieb hatten, die halten das dann für einen Notausgang, den du nehmen darfst, wenn nichts mehr geht. Das macht mir Sorge, ich will das so nicht behandelt wissen. Dann würde meine Schuld noch schlimmer, ist schon schlimm genug.

Während er mit mir spricht, sehe ich nur seine Augen. Sie scheinen eine Mischung aus Blau, Grau und einen Hauch Grün, mit braunen Einsprengseln. Aber sie sehen aus, als hätten sie viel geweint oder als hätte er Bluthochdruck gehabt.

F: Den hatte ich wohl auch, aber das ist doch jetzt egal! Wen geht das was an, wie ich ausgesehen habe? Ne, lass das mal jetzt …

U: ok, keine weitere Beschreibung.

F: Das lenkt doch ab, Mensch!

U: hmhm …

F: Hanna? Ich liebe dich auch, ich hab dich immer geliebt, ich möchte, dass du das weißt. Du konntest nicht in meinen Kopf sehen. Ok?

Ich hab dir keine Zeichen gegeben, das hätte kein Mensch ahnen können. Verstehst du? Das war nicht eure Schuld!

U: Das ist dir sehr wichtig, dass sie das versteht?

F: Ja, das muss mal ausgesprochen werden. Ich hab mich umgebracht, weil ich dachte, dass es besser ist für alle, wenn es mich nicht mehr gibt.

U: ach, Mensch!

F: Ja, das war in meinem Kopf, das war ein dauernder Gedanke in mir! Ich dachte, kein Mensch kann mir noch vertrauen, ist alles sinnlos …
Ich hab alles verdorben.

U: Hattest du Gründe, so zu denken?

F: Wenn ich jetzt ja sage, dann denken wieder alle, dass es doch nicht meine Schuld war. Gründe, um mal von allem (er sagt die Schnauze) voll zu haben, hat jeder mal. Gründe, von sich selbst enttäuscht zu sein, auch. Aber dann hinschmeißen, die eigenen Verantwortungen einfach liegen zu lassen? Ne!
Das war so falsch! Das will ich nicht entschuldigen.

Ich hab mich immer für einen Kämpfer gehalten, aber heute weiß ich, dass ich ein Feigling war.

Hanna hat ja gemerkt, dass mit mir was nicht stimmt. Aber ich war zu stolz, um das einzugestehen, ich dachte bis zuletzt, dass ich das alles allein in den Griff kriege. An dem Morgen hätte ich zu ihr gehen sollen und sagen: Ich bin am Ende, ich kann nicht mehr.

U: Du sagst, du hast gedacht, dass dir kein Mensch mehr vertraut hat, aber das hört sich für mich jetzt so an, als hättest du keinem Menschen vertraut …

F: Das war auch so, und dafür hatte ich keinen Grund. Ich hab das nicht kapiert, heute ist es mir klar. Eigentlich hab ich immer nur mir vertraut und versucht, allen zu beweisen, wie toll ich bin. Heute weiß ich, ich wollte mir beweisen, wie toll ich bin.

Mein Leben lang!
Fehler zu machen wollte ich bei mir nicht akzeptieren, Schwächen zu haben, das wollte ich nicht wahr haben. Aber gedacht habe ich, dass andere meine Fehler nicht akzeptieren KÖNNEN!

U: Das ist doch aber krank …

F: Das weiß ich heute auch! Verstehst du, was das heißt? Ich hab mich umgebracht, weil ich … (er findet die Worte nicht).

U: aus verletzter Eitelkeit?

F: so ungefähr … ja. Könntest du das deinem Mann verzeihen?

U: Ne, ich wär stinksauer!

F: Auch nicht, wenn dein Mann sich therapieren ließe?

U: auch dann nicht!

F: Weißt du jetzt, warum ich das Reading hier will?

U: Es geht dir um Hanna?

F: ja! Die glaubt tief in sich drin, das sie es verdient hat, unglücklich zu sein. Das muss da raus aus ihrer Seele und wenn es das Letzte ist, was ich für sie tun kann!

U: Ok, jetzt verstehe ich, warum du so drängst, du kämpfst um deine Frau?

F: Ja, ich will, dass sie weiß, dass ich mir übel nehme, was ich gemacht habe. Und dass sie diese Wut auf das, was ich ihr und den Kindern angetan habe, mit mir teilt.
Das tut mir nicht weh. Das ist einfach ehrlich und richtig. Ich hab mit dem, was ich getan habe, alles verraten, woran wir mal geglaubt haben. Darauf muss man sauer sein!

Friedrichs Emotionen an dieser Stelle sind sehr heftig, es ist, als ginge es ihm um das Wichtigste überhaupt. Seine Gefühle an dieser Stelle sind derart stark, dass ich hier kurz abbrechen muss.
(Nach einer Pause.)

F: Tut mir leid …

U: Warst du immer so mitreißend?

D. (lächelt): Ja, das ist ja auch ne Qualität …

U: Klar, du kannst motivieren.

F: eben! Die Frage ist, wozu, nicht? Ich will wenigstens jetzt, dass es gut ist, auf mich zu hören. Das ist wichtig, nicht nur für Hanna!

Ich will nicht, dass unsere Nachkommen mir folgen müssen …

U: Bist du einem Vorfahren gefolgt?

F: Ja, aber das wusste ich nicht. Als ich das gemacht habe, war das eine Entscheidung meiner Seele.

U: Immerhin, du hast es trotzdem geschafft, ins Licht zu gehen …

D. Da haben mir meine Frau und die Kinder geholfen.

U: wie das?

F: Die haben nie daran gedacht, mir die „Hölle“ zu wünschen, die haben immer gehofft, dass ich jetzt Frieden habe.

Das hat was verändert in mir, ich habe gespürt, die erwarten das von mir, wenigstens das kann ich noch für sie tun.

U: Bist du gleich nach deinem Tod ins Licht gegangen?

F: Ne, das kannst du vergessen! Ich hab erst gar nicht kapiert, was jetzt los ist.

Ich dachte doch, tot ist tot, da kommt nichts mehr.

Und dann hab ich den ganzen Käse gesehen, von A bis Z!
Lass das mal jetzt, ich will in die Gefühle jetzt nicht rein, ich sag nur eins: Ich hab mich geschämt.

U: Ja, ist gut, Friedrich, lassen wir das jetzt mal ruhen. Willst du mir nicht mal was Schönes aus deinem Leben zeigen?

Er lächelt und verändert unser Umfeld. Wir sind jetzt draußen, offensichtlich ein schöner Frühsommer Morgen, ich höre Vögel singen, die Sonne scheint, vor uns ein Fußballfeld, im Gras hängt noch Tau …

Friedrich ist viel jünger, sein Haar schulterlang, er trägt ein helles Fußballtrikot und dribbelt mit einem Ball vor mir und ruft lachend: Na komm, komm, nimm ihn mir ab. (Ich weiß, er meint nicht mich, ich soll nur diese Leichtigkeit spüren, die Lebensfreude.)

Als Nächstes gehen wir einen Feldweg entlang, flaches Land, an einem braunen Pferd mit weißer Blässe vorbei, Möven segeln im Wind, aber das Meer ist nicht zu sehen …
Er sagt irgendwas, ich verstehe kein Wort, eine andere Sprache …

Dann wechselt dieses Bild, ich sehe ein Gebäude, eine Schule oder ein Amt, Backstein und Beton. Ein leerer Platz davor, ein Parkplatz mit einer Eisenkette vom anderen Gelände abgetrennt, er gibt dieser Kette einen Schubs.

(Ich bin mir nicht sicher, ob es eine symbolische Bedeutung haben soll im Sinn von: Der Platz ist mir versperrt.)

Wieder eine andere Szene: Ein Weihnachtsbaum, ein kleines Kind tollt nur in eine Strumpfhose und gestreiften Pulli bekleidet auf einem Sofa herum, und er sagt: Na warte, ich krieg dich!

Das Kind lacht und quietscht vor Vergnügen, als er es über seine Schulter wirft und herumträgt. Er tut, als lässt er es fallen, fängt es aber immer wieder sicher auf.

Ein anderes Bild überlagert dieses hier: Ein Baby auf einem Wickeltisch, eine Frauenstimme sagt: Nun nimm es doch hoch!
Er weiß gar nicht, wie er mit seinen großen Händen zufassen soll, aber seine Gefühle sind so stark für dieses Kind, so zärtlich.

Und er sagt mir, dass er diesem Kind in diesem Moment innerlich versprochen hat, immer gut auf sie aufzupassen.

Ganz kurz sehe ich eine junge Frau mit Hut, aber mehr als das Bild geht es wieder um Gefühle. Ich denke, es ist eine Hochzeit, diese Frau lacht und andere auch, in Friedrich ist so eine Mischung aus Freude und Stolz und Glück.

Ich sehe Dinge, die ich nicht zuordnen kann, sie kommen einzeln, für mich zusammenhanglos.

Ein Stück Reetdach, eine Säge, eine Art Innungszeichen, eine Akte mit Siegel, immer wieder dieses Wappen, ich kann und kann es nicht entschlüsseln. Er findet offensichtlich nicht das richtige Zeichen in mir, dennoch scheint es ihm ungeheuer wichtig zu sein.

Er gibt das auf, sendet andere Bilder: Ein Rohbau, wir müssen innen über Rollen von Dämmmaterial steigen, aus irgendeinem Grund steht aber eine Couchgarnitur schon in diesem Rohbau, notdürftig mit Folien abgedeckt.

Wieder dieser Autoschlüssel. Dann wieder eine Akte: ich denke, eine Lebensversicherung. Die schleudert er zur Seite.

Eine Kinderhand versucht schön zu schreiben, es geht aber GAR NICHT, Verärgerung …

Eine Schulklasse, leer, zu sachlich, um eine Klasse für Kinder zu sein. Das Gefühl von Last, Anstrengung wird stark, fast unerträglich.

Ein Heft mit Kontoauszügen: Trauer, Schmerz, Ratlosigkeit, Hoffnung, eine Chance zu finden, ziemliches Gefühlschaos.

Als Letztes: Fußspuren im Sand, erst zwei, dann vier, dann kommt eine Welle …

U: Danke, Friedrich, ich würde jetzt gerne deine Persönlichkeit beschreiben, so wie ich sie empfinde, darf ich das tun?

F: Sag ihr, sie kann mir meine Untreue verzeihen, ich kann es nicht!

U: Mach ich, ich erklär es ihr. Darf ich jetzt?

F: spricht nichts dagegen!

Ich habe es schon gesagt: Was mich sehr beeindruckt, ist Friedrichs Fähigkeit, mich mitzureißen, man kann kaum anders, als ihm zu folgen.

Das ist sehr schön, wenn es ihm gut geht, aber ich denke, es ist gar nicht einfach, wenn ihm etwas quer liegt.

Ich bin sicher, diese Begabung zu begeistern hat er nicht nur in der Familie gezeigt, sondern auch in der Arbeit oder Freizeit. Auf Erfolg programmiert, könnte man sagen, Dinge haben zu gelingen!
Wille, sich durchzusetzen, das ist stark beim ihm.

Aber es ist bei Weitem nicht alles, was ich da in ihm spüre.
Ich denke, dass er ein kontaktfreudiger Mensch war, solange er gesund war. Dass aber auch hier dieses „ich gewinne, was ich will“-Motiv eine große Rolle gespielt hat.

Ich möchte mehr über seine Ursprungsfamilie wissen, bekomme als Antwort aber nur ein Abwinken und ein Gefühl von Kälte, was auch immer das heißen mag, einzig die Worte „es ist nie genug“ fallen dazu. Ich denke, die beziehen sich auf den Vater. Aber was die Mutter angeht, ist mir auch nicht wohl.
Hier kommen Emotionen hoch, die ich nicht in Zusammenhänge bringen kann, da ist ein tiefes Sehnen nach Nähe, gleichzeitig aber sowohl ein unerreichbar sein und machen auf emotionalem Gebiet, daraus resultierend Zorn? Empörung?
Schwer zu sagen.

In jedem Fall habe ich nicht den Eindruck, dass aufs Friedrichs Art, zu sein, eingegangen wurde.

So wie ich ihn hier erlebt habe, spüre ich ihn als eine Persönlichkeit mit sehr starken Emotionen. Gut im Guten, aber ich denke, dass er es auch zeit seines Lebens damit zu tun bekam, Emotionen wie Ungeduld oder Zorn unter Kontrolle zu halten.
Da ist durchaus ein Hang zu Heftigkeit, zum zu viel, zu weit, zu laut, zu schnell.

Wenn so viel Emotion nicht nach außen kann und darf, wohin geht es, wenn nicht nach innen?

Ich glaube, dass Friedrich viel unter dieser Wut auf sich selbst gelitten hat und dass es vielleicht seine Lebensaufgabe gewesen wäre, damit Frieden zu machen, eben NICHT in allem und jedem der Beste sein zu können. Hier wird er „nacharbeiten“ und ich denke, dass dieses Reading Teil dieser Arbeit seiner Seele ist.

Friedrich versucht, sehr exakt mitzuarbeiten, er versucht mir seine emotionale Lage so gut es geht, zu übermitteln, aber man merkt ihm an, wie ungeübt, auch ungeschickt er dabei ist,
Seine eigenen Emotionen zu verstehen und zu akzeptieren, setzt aber die Fähigkeit, darüber zu kommunizieren, voraus.

Ich als Medium kann das, aber wie mag es in seinem Leben gewesen sein?
Ihm selbst war ja die Fähigkeit verschlossen zu artikulieren, warum er wann was fühlte …

Für mich eine Dampfdrucksituation bei verschlossenem Ventil. Es brodelt innerlich, aber es kommt nur mäßig Druck heraus. Hier hätte er fachliche Hilfe gebraucht! Allerdings frage ich mich, ob er die bei den hohen Ansprüchen, die er an sich selbst stellte, hätte nutzen können.

Ich glaube, die Furcht, abgewiesen zu werden oder irgendwie verbannt, die war uralt in ihm. Es scheint mir eine wichtige Aufgabe seiner Seele zu sein, zu lernen, dass unser Wert niemals vom Urteil anderer anhängt, sondern von dem Wert, dem wir uns selbst beimessen.
Seine Reue über seine Tat hilft ihm zu der Notwendigkeit, anders über die Schwächen des Menschen – auch den eigenen – zu denken.

Vielleicht ist es ihm deshalb auch so wichtig, das euer Verzeihen NICHT bedeutet, nicht zu erkennen, WAS er euch mit seiner Tat angetan hat?

Einmal von der Schwere der Problematik abgesehen, erlebe ich ihn hier auch als jemanden, der ein sehr angenehmer Gesprächspartner ist, fantasievoll, fröhlich. Es scheint, dass er auch sehr viel Freude an Körperlichkeit haben konnte. Sein Bild wäre viel zu Grau gezeichnet, wollte man diese Seite seiner Persönlichkeit nicht sehen.

Ich erlebe ihn hier als sehr ehrlich, redlich im Bemühen, das Beste für DICH hier herauszuholen. Und dazu gehört auch auf seine Bitte hin, dir jetzt zu zeigen, wie er lebt:

Er zeigt mir eine weite, parkähnliche Landschaft, viele Kinderseelen sind hier, hauptsächlich Jungs und er unterrichtet sie mit sehr viel Spaß und Spielen …

F: Das ist meine Aufgabe hier!

U: Was sind das für Kinder?

F: Alles solche, die ihr Vertrauen in ihre Körperlichkeit verloren haben, die waren alle von Geburt an schwer krank und sind so gestorben.

Denen zeige ich hier, dass es Spaß macht, einen Körper zu haben, der gut funktioniert.

U: Oh, das ist toll! Ich wusste nicht, dass es das hier im Jenseits auch gibt.

F: doch, klar! Guck mal, der kleine Blonde da, der hatte Mukoviszidose. Seine Seele hat sich mit dem Schwachsein identifiziert. Wenn die so wieder inkarniert, dann ist das wieder nur ein kranker Körper, den sie sich zutraut …

U: Du veränderst hier sein Bewusstsein dafür?

F: genau!

Die Freude, die Friedrich dabei hat, kann ich hier kaum wieder geben. Und auch das sei abschließend zu meiner Analyse seiner Persönlichkeit gesagt: JETZT lebt Friedrich die Fähigkeit zu großen Gefühlen, er hat verstanden, dass es gut sein kann, dazu fähig zu sein, auch wenn es bedeutet, andererseits nie wirklich über den Dingen zu stehen.

U: Friedrich, ich würde jetzt sehr gerne die Fragen von Hanna stellen, darf ich das tun?

F: klar!

U: Sie fragt, ob sie deine Besuche bei ihnen wahrnimmt?

F: Hm, wie soll ich das sagen? Die ersten Jahre schon, das war ich. Aber jetzt?
Du musst da raus!
Das ist nicht gut für dich, ich bin das nicht, Hanna!

Meinst du, ich will, dass du dein restliches Leben damit verschwendest, einen Schatten zu lieben?

U: Ist da eine Anhaftung?

F: ja, der denkt, Hanna ist seine Frau.
Mensch, he, ich will, dass du glücklich bist.
JETZT!
Du verkriechst dich und der nutzt das aus.

U: Hanna fragt, ob du deine Kinder lieb hast?

F: Das ist ernst! Ja, ich habe sie lieb! Ja und noch mal ja!

Deshalb will ich nicht, dass ein unschuldiger Held aus mir gemacht wird. Ich war ein Vater, der sie lieb hatte und der das bis in alle Ewigkeit tun wird. Aber ich war auch ein schwacher Vater, der den dümmsten Fehler gemacht hat, den ein Mensch überhaupt machen kann.

Hanna, rede dir das nicht schön!

Ich war nicht nur krank, ich war auch ein Kranker, der nicht gekämpft hat, um gesund zu werden, wenigstens im Kopf!

Wenn schon sonst nichts ging, das wäre ich ihnen schuldig gewesen.

Weißt du, was passiert, wenn die nie sagen dürfen:
Der ist einfach abgehauen und hat mich sitzen gelassen?
Dann halten die so ein Abhauen für richtig, auch für sich selbst. Du, die kommen auch mal in Lebensphasen, da glauben die, dass nichts mehr geht, was dann?

Was ich gemacht habe, muss raus aus der Sippe, dringend!

Erklär ihr mal den ganzen Zirkus!

U: mach ich.
Hanna fragt, ob du ihr vor ein paar Jahren einen jungen Freund geschickt hast?

F: Ne, dazu wäre ich damals noch gar nicht fähig gewesen, frag mal deinen Engel.

U: Weißt du, dass wir so oft wie möglich in deiner Heimat sind?

F: hmhm, und warum?
Hanna, Mensch, da findet ihr mich nicht.

Ich bin in euch, hab euch geprägt im Guten, aber auch im Schlechten. Ich hab euch was angetan, meinen Mangel an Vertrauen ins Leben hab ich an euch weitergegeben!
Lass es bitte aufhören, du bist die Einzige, die das kann.

Meine Heimat, die werde ich immer lieben, und ich werde wieder Friese sein, wenn ich mal zurückkomme, dann darf ich hoffentlich da auch bleiben, aber ich bin nicht im Wind.
Ich bin in euch!
In dem, was ihr geworden seid, im Guten, aber auch im Schlechten.
Das Schlechte, das lässt mir keine Ruhe, deshalb machen wir das hier.

Ich hab das Geschwafel von den anderen satt! Klare Worte, du kennst mich doch!

U. Warum habe ich dem Internetbetrüger vertraut und mein ganzes Geld verloren?

F: Das ist so deine Last! Ich konnte nicht vertrauen, mir nicht und anderen nicht. Und du hast in deiner Seele die feste Meinung, dass es „richtig“ ist, dich zu enttäuschen.

Man kann das in sich ändern, aber das musst du mit dir selbst ausmachen, ob du das willst.
Ich rate dir dazu, aber mehr kann ich da auch nicht tun.

U: Weißt du, dass sie dich immer noch liebt und vermisst?

F: Ich liebe dich auch, aber anders jetzt.
Das verstehst du gerade nicht: Das ist jetzt eine Liebe, da liebe ich nicht mehr die Frau in dir, das geht über so was hinaus.

Weißt du, ich wäre ohnehin gestorben, das war so im Lebensplan von uns allen. Aber wenn ich das abgewartet hätte, dann wäre vieles ganz anders in euch.
Ich hab dir die Chance genommen, letzte Worte zu sagen.

Das tut mir weh heute, weil ich weiß, dass du so einfach nicht in DEIN Leben kommst.
Guck hier, DAS hier ist jetzt mein Leben!
Es ist schön, ich bin eine glückliche Seele.

Ich bin durch schlimme Schmerzen gegangen, alles solche, die ich mir selbst zu verdanken habe.

Aber ich habs geschafft!
Jetzt will ich, dass ihr auch was davon habt, dass der ganze Kampf, den ich gekämpft habe, aus meinem Sumpf herauszukommen, nicht nur für mich gut war.
Weißt du noch?
Du bist die tollste Frau der Welt!

Aber das könntest du wirklich langsam mal anfangen, zu glauben.
Ich bin bestimmt nicht der Einzige, der dich verdient hat, aber du musst daran arbeiten, dass du aufhörst zu glauben, nur mich verdient zu haben.

Das ist nämlich nicht fair, nicht nur dir gegenüber nicht. Meine Schuld macht das größer …

U: Ja, das waren harte Worte.

F: Ja, so verändert man sich hier auch nicht …
Sie weiß schon, dass ichs gut meine.

U: Dann möchte ich mich herzlich bei dir bedanken. Und wünsche dir ein schönes Sein.

F: ja, da nicht für, geht schon klar.
Tschüss.

U: tschüss, Friedrich!