Ich bin

1090: Ich bin anders? Ja! Aber gut!

Ich bin anders?

Ja, aber gut!

Schutzengelkontakt 

 

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Reinhard zu verbinden. Reinhard bittet um diesen Kontakt.

Ich habe sehr verwirrende Bilder, verstehe sie kaum: Wasser, auf dem Fahrzeuge fahren, wie ich sie nie sah…

Eine Art Sonnensegel wird anscheinend als Antrieb benutzt, es sieht futuristisch aus, metallisch, aber so leicht, dass es nicht einmal Wind braucht…

Eine Art Stadt am Ufer, aber auch hier Gebäude, so bizarr, dass ich sie nicht einmal wiedergeben kann…

Ich schaue zum Himmel, es ist weder Tag noch Nacht, es gibt Objekte, die leuchten und doch sind es keine Sterne. Alles ist mir so fremd hier, schwer ist es, hier zu atmen, was soll das hier sein?

Dieses Szenario wird umgeblättert wie die Seite eines Fotoalbums.
Jetzt sitze ich in einem Garten, ein blühender Rosenstock neben mir an der Seite der Wand, vor mir Rasen und Büsche.

Und erst jetzt kommt eine ältere Frau mit einer großen Teekanne aus dem Haus, ihr Gesicht ist schmal, das weiße Haar trägt sie ungewöhnlich lang und offen, es ist sehr dicht.

Schön ist sie, klug, aber auch sehr klar, ohne Schnörkel …

Sie ist in einem Anzug aus weich fallendem, hellen Leinen gekleidet, trägt Sandalen. Sie trägt eine Kette, die mich an die Ketten erinnert, wie sie früher einmal die Hippies trugen.

Guidin: Ja? Nein, ich war kein Hippie, aber ich war Wissenschaftlerin, Ethnologin, meine Studien galten den indigenen Völkern. Diese Kette habe ich von einem Meister bekommen, der Name tut nichts zur Sache.

Ich bin Karen.
Reinhard, ich habe mir sehr viele Gedanken darüber gemacht, ob ich in meiner weiblichen oder männlichen Präsenz hier erscheine.

Ich habe mich einfach für diese Letzte meiner Inkarnationen entschieden, weil ich denke, dass es einfacher für dich ist, mich so zu akzeptieren als jemand, der deine Seele kennt.

Zuerst einmal möchte ich mich bei dir entschuldigen, falls ich im Verlauf unseres Gesprächs etwas zu sachlich wirke. Das liegt nicht an mangenden Emotionen meinerseits, sondern daran, dass ich Sachlichkeit sehr liebe.

Sachlichkeit bedeutet, sich von der Emotionalität mit ihren Schwankungen und Irritationen zu distanzieren, um dem Kern der Dinge auf den Grund zu gehen.

Diese Vorgehensweise liebt meine Seele. Aber das bedeutet nicht, dass ich emotionslos wäre: ich lache, ich empfinde Freude, ich liebe wie alle anderen Seelen auch, aber ich identifiziere mich nicht damit.

Es lacht mein Herz, sagt man nicht so?
Ja, aber ICH bin mehr als mein Herz! Das ist die Basis der Versachlichung, von der ich spreche.

Emotionen, Reinhard, sind unsere Lehrer, sie stellen uns vor die Aufgabe, mit ihnen fertig zu werden und bereichern so unser Leben.

Sie sind manchmal lästig, manchmal heilend, aber sie sind nur Teil von uns, man braucht sie nicht zu fürchten, weil Gepäck, das man mit sich führt, nicht zu fürchten ist.

Gepäck nimmt man mit, wird es zu schwer, kann man es zur Seite stellen, man kann sich das vom Gepäck auswählen, das man in bestimmten Situationen braucht und anderes auswählen, das nur selten eingesetzt wird.

Verstehst du? Emotionen sind nicht dazu da, uns zu beherrschen, sondern wir sind dazu da, zu lernen, sie zu beherrschen.

Wer das kann, ist Meister seines Ichs, eine größere Meisterschaft ist nicht zu erreichen auf der Erde.

Als ich so alt war wie du, wusste ich davon nichts. Ich war ein großes, spargeldünnes Mädchen mit viel zu großer Brille.

Auf dem Campus fiel ich besonders dadurch auf, dass ich so völlig anders war als meine Kommilitoninnen, allerdings fiel ich nicht im angenehmen Sinn auf. Die meisten hielten mich für langweilig, andere sogar für arrogant, aber für eines ganz sicher nicht: für liebenswert.

Es gab Dummköpfe, die meinten, an mir ausprobieren zu können, wie man Menschen mobbt, ich glaube, so nennt man das heute.

Sie hielten mich für gefühllos, deshalb war ich ein ziemlich ungefährliches Versuchsobjekt. In Wirklichkeit war ich alles andere als gefühllos!

In mir tobten Stürme, Emotionen beutelten mich nur so! Zorn, Rachsucht, Eifersucht, oh, oh, diese Emotionen waren wirklich ziemlich schweres Gepäck und ich hatte ANGST.

Die schlimmste Angst war die vor mir selbst: Ich wusste einfach nicht, wie ich mich auf andere Menschen einstellen sollte…

Weißt du, Reinhard, dass mich meine Kommilitonen für gefühllos hielten, hatte eine Ursache in meinem eigenen Verhalten ihnen gegenüber.

Auf Anfeindungen und Beleidigungen reagierte ich entweder mit Ignoranz oder Arroganz, in keinem Fall hätte ich es mir erlaubt, meinen Zorn zu zeigen oder gar meine Traurigkeit, ich zeigte so wenig Gefühl wie nur irgend möglich.

Auf der anderen Seite zeigte ich allerdings auch keinerlei Gefühl der Anteilnahme an ihren Problemen. Was nicht daran lag, dass ich Mitgefühl nicht empfinden konnte.

Sondern daran, dass ich einfach nicht nachvollziehen konnte, wie schwerwiegend ihre Probleme für sie waren. Warum sollte eine verfuschte Frisur ein derartiges Problem sein, dass man deswegen Trost brauchte?

So wurde ich erwachsen mit einem Gefühl von absolutem Unverständnis: Weder wurde ich verstanden noch konnte ich verstehen.

Ich fürchtete, je älter ich wurde, die Folgen dieses Zustands. Und ich wurde traurig darüber, in mir lebte ein Bewusstsein der absoluten Isolation!

Selbst wenn ich mitten unter Menschen war, selbst wenn ich äußerlich mit beteiligt war, innerlich fand kein echter Kontakt statt, außer sie quälten mich mit ihren bissigen Bemerkungen.

Kontakt, ha ja, ein Alien hätte sich nicht einsamer, fremder, verständnisloser und unverstandener erleben können, als ich mich selbst in dieser meiner damaligen Welt erlebte…

Und all das war nicht einmal das Schlimmste: Das Schlimmste war die Emotion der Traurigkeit darüber, das Gefühl der abgrundtiefen Einsamkeit.

Hm, hm, weißt du, das war der Grund, warum ich Ethnologie und Psychologie studierte: Ich wollte einfach auf absolut sachlicher Weise das ergründen, was Mensch sein ist, wollte die Sachzwänge verstehen, die Menschen so sein lassen, wie sie sind.

Die Menschen als Beobachtungs-OBJEKT und ich der neutrale Beobachter, ja! Das schien mir die Lösung! Ich erhoffte, mir dadurch im Außen genau den Zustand erwirken zu können, den ich im Inneren empfand: Distanz!

Manchmal stellte ich es mir bildlich vor: in einer Petrischale die Geburtstagsparty meiner Schwester und ich im weißen Laborkittel gekleidet ÜBER dieser Schale, mit einem Mikroskop die kleinen Akteure beobachtend…

Ein komisches Bild? Hm, am Anfang vielleicht, in Wirklichkeit ein trauriges Bild, denn aus der Petrischale würde nie jemand kommen, um mit mir auf Augenhöhe zu reden …

Wenn ich an dieser Überlegung angekommen war, dann spürte ich wieder Trauer.

Reinhard, diese Trauer war die schlimmste Emotion, die ich kannte: Sie war abgrundtief, sie war resignativ, sie lähmte mich, raubte mir auch körperlich meine Kraft.

Ich hasste sie und fürchtete sie, aber ich kam niemals auf die Idee, in ihr einen Lehrmeister zu sehen, der mir eine Aufgabe stellt, eine ganz einfache Aufgabe.

Dieser innere Lehrer sagte zu mir im Grunde immer das Gleiche: Such einen Weg, mich nicht mehr zu brauchen! Aber das sollte ich erst viele Jahrzehnte später erfahren.

Aus der jungen Studentin wurde eine Professorin und im Jahr 1966 führten mich ethnologische Studien nach Südindien.

Ziel meiner Forschung war es, herauszufinden, warum Depressionen sowohl bei sehr isoliert lebenden Farmern, als auch in stark bevölkerten Städten überdurchschnittlich oft auftraten.

Südindien bot mir, beide Möglichkeiten zu studieren: sowohl die Isolation als auch das Überangebot von Kontakten…

Zu meiner Verblüffung fand ich keine Häufung, es gab eine völlig durchschnittliche Rate depressiver Menschen, sowohl in den riesigen, unüberschaubaren Städten als auch in den winzigen Dörfern auf vorgelagerten Inseln.

Was hatte das auf sich? Warum unterschieden sich die Menschen Südindiens derart auffallend von Menschen, die in den USA lebten?

Die Lösung war so einfach wie verblüffend! In der Kultur jener Gegend war der Begriff Karma mit der Ansicht verbunden, die Faktoren des eigenen Lebens mit Gleichmut hinzunehmen.

Wenn sich etwas nicht ändern ließ, dann haderte man nicht damit, sondern pflegte die Kunst der Akzeptanz. Das galt sowohl für die äußeren Begebenheiten als auch in Bezug auf die eigene Persönlichkeit…

Ich war sehr erstaunt, als ich das begriff! Nach jener Theorie lag der Schlüssel allen Leids darin, zu begehren.
Was begehrt der Mensch? Nun, genau das, was er NICHT hat!

Was begehrte ich, seit ich mich erinnern konnte? Gemeinschaft mit meinen Mitmenschen zu haben.

Ich meine INNERE Gemeinschaft, das Gefühl von Verbindung, Gleichsinnigkeit!

Sollte die Lösung meiner Traurigkeit darin liegen, einfach damit aufzuhören, mir zu wünschen, Teil einer menschlichen Gemeinschaft zu sein?

Ich dachte, ich hätte die beste aller Lösungen gefunden. Ich beschloss, damit einfach aufzuhören, mir zu wünschen, verstanden zu werden und selbst zu verstehen.

Ich beschloss, es als gegeben hinzunehmen, sowohl seelisch als auch geistig ein Außenseiter zu sein. Das Ergebnis war niederschmetternd!

Unmittelbar fiel ich in eine so große Traurigkeit, dass ich weder arbeiten konnte noch meinen Alltag bewältigen.

Ich musste noch in Indien in ein amerikanisches Krankenhaus gebracht werden, denn mich plagten nun täglich Suizidgedanken.

Auf dem Weg in dieses Krankenhaus kamen wir (der mich begleitende Student und ich) in einem kleinen Dorf zum Nachtlager an.

Man wies mir eine Hütte zu, ich erinnere mich, dass mich das Gelächter dreier Mädchen, die mich offensichtlich lustig fanden, in einen derartigen selbstaggressiven Schub brachte, dass mein Student sich keinen anderen Rat wusste, als mir ein schweres Schlafmittel zu geben.

Als ich aufwachte, sah ich in die dunklen Augen eines alten, lächelnden Mannes. Sein Haar war furchtbar ungepflegt und lang, er trug nichts weiter als ein Tuch um den Unterleib gewickelt und lächelte mich an.

In gebrochenem Englisch sagte er: Was hast du vor, Lady, weißt du nicht, dass du dich nicht töten kannst? Welche Gedanken pflegst du wie einen kostbaren Vogel?
Ich dachte, er kann schlecht Englisch, fragte nach, was er meint.

M: Du pflegst Gedanken, die nicht gut sind. Du denkst, du musst töten…

Ja, sagte ich.

M: Du kannst dich nicht töten…

I: Doch!

M: Nein, du kannst dich nur verändern. Wen willst du wirklich töten?

Da schrie ich: Alle, die mich nicht verstehen!

M: Das geht nicht, es sind zu viele! Willst du dich darum selbst töten? Weil du am liebsten alle töten willst?

Ja, sagte ich und ich weinte und weinte…

M: Du pflegst Gedanken, die Unsinn sind…
Es sind nur deine Gedanken, es ist nur dein Verstand, dem keine andere Lösung einfällt, dein Verstand ist sehr dumm, Lady!

Nein, sagte ich, ich will nicht weiter so wütend sein und so traurig und so unverstanden! Ich halte das nicht mehr aus…

M: Dann hör doch auf damit!

Jetzt wurde ich erst richtig wütend! Wenn es einen Weg geben würde, aufzuhören, wäre ich JEDEN Weg gegangen, aber es gab keinen.

Ich verstand die Menschen nicht und sie verstanden mich nicht, ich hatte kein Gefühl für sie und sie keines für mich!

Ach, sagte er, ach, das ist es! Oh, so…
Du bist anders, ah so!

I: Ja, ganz anders.

Er schaut mich lächelnd an, schwieg lange und sagte: So what? Na und?

I: Das macht mich einsam, ich gehöre nicht dazu, nirgendwo gehöre ich dazu! Ich fühle anders, denke anders, rede anders…

Jetzt lachte er, er lachte so sehr, dass ihm die Tränen liefen …

Oh, Lady, Lady, hat dir keiner gesagt, dass die Menschen, die anders als die Meisten sind, genau deshalb ein wichtiger Teil der Menschen sind?

Viel hat er mir noch erklärt: Darüber, dass jede Art Mensch seine Aufgabe hat innerhalb der gesamten Menschheit…
Darüber, dass es nichts gibt, was gut oder falsch ist, groß oder klein.

Aber das alles spielt zwischen dir und mir, lieber Reinhard, keine Rolle.

Das Fazit allein ist wichtig, mit dem ich den weisen, alten Inder verließ. Gerade WEIL ich anders war und immer sein würde, war ich Teil der großen Gemeinschaft der Menschen. Das war mein Karma, mit diesem Anders sein zu leben.

Genauso, Reinhard, wie es dein Karma ist.

Der Schmerz, der damit verbunden ist, hat damit zu tun, daran etwas ändern zu wollen oder dazu genötigt zu werden.
Aber Anderssein ist wirklich gut!

Es sind die Menschen, die so viel Änderungen in Gemeinschaften bringen: Die „Anderen“.
Es stimmt, sie denken anders und fühlen anders, aber das ist gut, es ist eine Bereicherung, ein Geschenk an die Welt.

Und für sie selbst ist es eine Aufgabe im Leben, mit dem eigenen Anders sein Frieden zu schließen und sich dennoch als Mitmensch zu wissen.

Reinhard ich bin anders, du bist anders, das ist gut, gut, gut!
Du darfst anders denken, anders fühlen, anders werten, aber glaub mir, du bist dennoch nicht allein, du bist kein Alien!

Allerdings, da gebe ich dir recht: Für jene, die anders sind, ist es viel schwieriger, ein für sie befriedigendes Leben aufzubauen.

Sie können sich nicht an eine Gruppe orientieren, sie können keinem Trend folgen oder sich auf die Ratschläge anderer verlassen.

Sie müssen herausfinden, was ihnen gut tut, ganz allein!
Und sie müssen herausfinden, was sie selbst als schön empfinden oder als sinnvoll, ohne einen einzigen Orientierungspunkt.

Das kann Angst machen, ich weiß.

Reinhard, du warst in einem deiner vergangenen Leben ein Seefahrer in Polynesien: keine Landkarte, kein Kompass, nur du und ein Boot mit 23 Mitgliedern deines Stammes.

Du warst anders als sie, du hattest als Orientierung dein Leben lang nichts anderes als dein Gefühl dafür, was dir gut tut!

Nur mit diesem Gefühl bist du einer bestimmten Sternengruppe gefolgt, einfach, weil sie dir „gefiel“. Du hast deine Gruppe sicher an den Strand von Neuseeland gebracht.

Diese innere Verbindung zu DEINEM „Richtig“ zu finden, ist jetzt die schwierigste Aufgabe für dich. Um das zu können, lieber Reinhard, musst du lernen, den „dummen“ Gedanken nicht mehr zu folgen.

Dein Gehirn WILL ununterbrochen denken! Dagegen lässt sich nichts tun.
Es ist einfach so. Aber WAS es zu denken bekommt, darauf hast du Einfluss!

Dein Gehirn ist es gewöhnt, Gedanken der Resignation, der Wertlosigkeit und / oder des Zorns zu denken. Es wird einige Zeit dauern, bis du das besser kontrollieren kannst!

Der erste Schritt ist, diesem Gehirn andere Aufgaben zu geben, mir ist ganz gleich, was es ist:
Du kannst dich in dir unbekannte, aber interessante Wissensgebiete einarbeiten oder Strategie-Spiele spielen, das ist ganz gleich.

Nur musst du darauf achten, die unerwünschten, kreisenden Gedanken, die dich oder die Welt abwerten, durch andere Gedanken abzulösen, sobald du merkst, dass der Zyklus wieder beginnt.

Vor allem aber eines: Hör auf, zu erwarten, was weder du noch andere sein können, akzeptiere das, was da ist.

Dein Anders sein gibt dir einen ganz besonderen Blick auf das Leben der Menschen, daraus kann dir so viel Weisheit erwachsen!

Du musst dich nicht wie sie in Modetorheiten verstricken, du kannst eine innere Unabhängigkeit erreichen, die dich zu einem ebenso weisen, wie heiteren Menschen werden lässt wie mein alter indischer Meister.

Der Schlüssel? Wandlung, Reinhard!

Zurzeit versuchst du verschiedene Mechanismen, nicht mehr verletzbar zu sein, so wie ich damals.

Und wenn sie misslingen, bist du entweder zornig auf die anderen oder das Leben oder dich.
Die Wandlung wäre, einfach Mitgefühl mit ihren Abhängigkeiten zu haben und Wissbegier, verstehen zu lernen, was sie bewegt.

Menschen sind von ihren Ängsten geprägt! ALLE!
Wer kann helfen?
Nur jene, die nicht im gleichen Sumpf stecken, die, die anders sind.

Das menschliche Miteinander hat in deinen Inkarnationen immer eine große Bedeutung gehabt und daran wird sich nichts ändern.
Das MIT – Mensch sein, ohne GLEICH zu sein, spielt jetzt eine große Rolle.
Ein Lehrer darf seinen Schülern niemals gleichen!
Sonst macht er sie orientierungslos…

Du bist ein wachsender Lehrer, Reinhard: einerseits Schüler wie alle anderen Menschen, andererseits auf dem Weg zum Lehrer.

Ob das in diesem Leben geschieht oder im nächsten, es ist gleich, aber versuche, zu begreifen, dass es gut ist, anders zu sein!

Lehrerseelen sind weder besser noch schlechter als andere Seelen, aber von Beginn ihrer Inkarnationen an spürt es jeder: Sie sind auf ihre Art und Weise ANDERS.

Versuche, ein guter Lehrer zu werden, indem du lernst!
Der Sinn eines weisen Mannes liegt darin, dass er Weisheit sammelt, lernt, beobachtet, annimmt, verwirft, Fragen stellt und Antworten sucht…

Ein guter Lehrer ist einer, der ganz EIGENE Antworten findet, solche, die ihm im Innersten wahr sind.

Du bist nun alt genug, wahr zu werden.

Schäme dich nicht deiner Wahrheiten! Aber sei auch weise und begreife, dass deine Wahrheit nicht für jeden verständlich oder nachvollziehbar ist.

Und werde sogar noch weise und erkenne, dass sie, so weise du auch werden magst, immer nur Teil einer Wahrheit sein können, die auch du nicht vollständig verstehen kannst…

Geh nun DEINEN Weg, nicht gleich den anderen, aber auch nicht als Fremder, sondern eine Facette des gleichen Edelsteins, der sich Menschheit nennt.

U: Vielen Dank, Karen, ich hoffe, dass es Reinhard hilft.
Darf ich dich fragen, was es mit der Eingangsszene auf sich hatte?

K: Es war eine andere Welt! Es ist richtig: Reinhards Seele hat dort Inkarnationen gehabt, aber es ist genauso wahr, dass jetzt nur eines von Bedeutung sein kann: Seine ganz spezielle Art des Mensch seins.

U: Danke, ich würde jetzt gerne die Fragen von Reinhard an dich richten.

K. Ja, sehr gern.

U: Er fragt, was ihm seine Depressionen nehmen könnte?

K: Ich hoffe, dass du, was ich sagte, versuchst immer tiefer zu verstehen.

Der erste Schritt aus den depressiven Gedankenmustern ist, wirklich zu verstehen, Reinhard, dass deine Art zu sein, GUT ist!

Anders? Ja! Aber GUT!

Es ist schwer, ich weiß, ich sage auch nicht, es sei leicht.
Es ist eine Herausforderung, zu lernen, dass es wirklich GUT ist, anders zu sein.
Versuch nicht, dich zu vergleichen!

Dein Leben, dein Denken, deine Gefühle mit denen der anderen in einen Vergleich zu setzen, man kann nicht vergleichen, was nicht gleich ist!

Das ist der Anfang, Reinhard: Akzeptanz dessen, was du bist und wie du bist.

Und dann übe dich darin, herauszufinden, was dir Freude macht, nur dir, völlig gleichgültig, ob es anderen auch Freude bereitet…

Du hast dir als Seele vorgenommen, sowohl eine innere Unabhängigkeit zu leben, als auch Mitmensch zu sein.

Das ist schwierig, du solltest nicht jetzt schon von dir erwarten, dieses ZIEL deiner Seele erreicht zu haben, du machst ja erst die allerersten Schritte.

Und ein kleiner Rat, eine einfache Tatsache lieber Reinhard: Zu 90% kreisen die Gedanken eines JEDEN Menschen um sich selbst!

Weil das so ist, meinen Menschen oft, die Gedanken der anderen Menschen würden sich auch so intensiv mit ihnen beschäftigen, aber das ist völliger Unsinn.

Deshalb ist eine Veränderung deiner depressiven Gedanken auch nicht durch andere zu erwarten, das ist deine Aufgabe, die beginnt mit der Akzeptanz und mündet – so hoffe ich – in die Freude darüber, du selbst sein zu dürfen!

Schau genau hin, Reinhard: Da ist nicht ein Einziger, der WIRKLICH ohne Last ist.
SUBJEKTIV, nicht objektiv betrachtet, hat jeder Mensch seine eigenen Nöte, sucht Hilfe, Unterstützung, Weisung.

Jeder Mensch will sich „gut“ fühlen, aber das ist ein ERGEBNIS harter Arbeit an sich selbst, man muss einen langen Weg gehen, um das zu erreichen, die meisten über viele Inkarnationen.

Dieser Weg beginnt mit SELBSTAKZEPTANZ.
Damit meine ich keine Selbstverliebtheit, das ist nur die Überkompensation von tiefen Minderwertigkeitsgefühlen.

Nein, einfach nur Akzeptanz: Ich bin, wie ich bin!
Früher war ich anders, zukünftig werde ich wahrscheinlich anders sein, aber JETZT bin ich, wie ich JETZT bin!
Was ich ändern möchte, werde ich versuchen, was ich nicht ändern kann, akzeptiere ich.

Das Gleiche gilt für die Lebensumstände: Was ich ändern kann, ändere ich, was ich nicht ändern kann, akzeptiere ich.

Ich bin frei davon, beleidigt über mein Leben zu sein!
Das war der Satz, den mein indischer Meister mir mitgab.

Ich war sehr zornig auf ihn, als er es mir sagte.

Aber mit der Zeit wich der Zorn und machte Platz für ein herzliches Lachen über mich selbst.
Er hatte völlig recht: Zweidrittel meines Lebens hatte ich damit zugebracht, beleidigt zu sein, weil ich GAR NICHTS akzeptieren wollte, was anders war, als ich es gern gehabt hätte, mich selbst eingeschlossen.

U: Seine zweite Frage ist: Warum kann ich meine Gefühle niemandem zeigen?

M: Ach, Reinhard, ein bisschen kannst du es doch, oder?
Deine Traurigkeit zeigst du durchaus, auch wenn du genervt bist oder gelangweilt und sogar manchmal deinen Zorn.

Was schwerer fällt, ist, Liebe und Fürsorge, Mitleid und Dankbarkeit zu zeigen. Das liegt daran, dass du große Angst davor hast, sowohl Abhängigkeit zu leben, als auch abhängig zu machen, nimm es dir nicht übel.

Du wirst lernen, dass innere Unabhängigkeit etwas ist, dass du nicht durch die Vermeidung von Emotionen erhältst, sondern durch die Erlaubnis, Gefühle zu haben und wieder loszulassen und wieder zu ergreifen und wieder loszulassen.

Gefühle sind alles andere als stabil, sie pendeln, sie verlieren sich, sie werden neu erworben und das darf auch so sein.

Deine Seele hat Angst, in die Emotionen anderer verstrickt zu werden und dann nicht die Fähigkeit zu haben, sich daraus zu lösen, aber das basiert auf vergangenen Gefühlen und du wirst dir sicherlich eine immer größere Sicherheit darin erwerben.

Als Erstes ist es wichtig, daran zu denken, dass deine Gefühle nur JETZT, also im Augenblick Gültigkeit haben und niemand von dir – auch du selbst nicht – erwarten darf, dass sie unveränderbar sind.

Ich denke, wenn du dies erkennst, wird es viel leichter sein.

Versuche es einmal: Beginne deine Äußerung von Gefühlen mit den Worten: „JETZT fühle ich…“

U: Er fragt: wie ich mit meinem Vater umgehen muss, den ich liebe, der mich aber in vielerlei Hinsicht zu Tode nervt!

K: Eigentlich fragst du ja, wie er mit dir umgehen müsste, die Antwort ist einfach: wertschätzend. Aber ich muss mich wieder der Akzeptanz bedienen.

Reinhard, er ist, wie er ist, NICHTS kannst du tun, um IHN zu ändern!

Aber du kannst vielleicht besser mit deiner Ambivalenz klar kommen, wenn du verstehst, was du in ihm suchst: Du suchst das Vorbild!

Aber wie kann er dir Vorbild sein? Der du doch anders bist?
Deshalb ehre und liebe das von ihm, was dir gut ist und war, aber finde dort Akzeptanz der Andersartigkeit, wo es dir nicht möglich ist.

Es ist durchaus menschlich, die gleiche Person zu lieben, deren Verhaltensweisen man dennoch in bestimmten Punkten ablehnt.

Du bist in der Phase, DEINEN Weg des Mann seins zu suchen, Differenzen sind unausweichlich, aber versuche, respektvoll zu bleiben.
Denn für dich ist es so wichtig, dich so zu verhalten, dass dein eigenes Urteil über dich positiv dabei bleibt.

U: Er fragt, was sein Weg in sein Leben ist…

K: Lernen, Reinhard, Menschliches verstehen lernen.

U: Wie kann er es schaffen, sich anderen gefühlsmäßig zu öffnen?

K: Reinhard, einigen wir uns darauf, dass es zuerst gilt, DICH selbst anzunehmen?
Du kannst dich öffnen, wenn du aufhörst, das Urteil der anderen zu fürchten oder deren Reaktion.

Wie kann das anders zu erreichen sein, als dadurch, dich selbst so, wie du bist, WIRKLICH als GUT zu erkennen?
Das ist der einzige Weg, den ich dir vorschlagen kann.

Und bitte versuche, zu verstehen, dass sie NICHT größer, besser, geschickter sind als du, sondern anders. Nichts weiter, keine Wertung!

Es wird Menschen geben, die dein Anders sein gut finden, andere nicht, du selbst machst das auch so…

Hüte dich davor, Ablehnungserfahrungen unbewusst zu sammeln, nur, um die Negativgedanken zu füttern, wie dein Verstand es gewohnt ist…
Du bist nicht extrovertiert, so what? Na und?

U: Als Letztes fragt er, wie er an seinen Minderwertigkeitskomplexen arbeiten kann.

K: Ich hoffe, dazu einige wichtige Hinweise gegeben zu haben.
Der erste Schritt: Akzeptanz dessen, was du JETZT BIST!
Ich bin zurückhaltend, so what? Na und?

Ist doch gut, denn dadurch kann ich oft unbehelligter Beobachter sein, kann gut zuhören, das ist toll…

Reinhard, mach dir eine „so what“- Liste, schau, ob das, was dich an dir stört, WIRKLICH schlimm ist oder nur so what.

Oder ob darin vielleicht nicht sogar ein Vorteil liegt …
Lass deinen Verstand arbeiten, der kann das!
Und versuch, mit Menschen zu tun zu haben, je mehr, um so besser …

U: Damit sind wir am Ende, liebe Karen, ich hoffe, wir konnten Reinhard helfen.

K: Der Weg ist lang, aber egal: er beginnt mit dem ersten Schritt, den haben wir gemacht.

Reinhard, ich bin kein Guide, der süße Worte findet, ich liebe dich, ich tus, weil ich verstehe, welchen Kampf du kämpfst, es war einmal meiner.

Wir brauchen beide unseren Verstand, lass uns Freunde sein, du bist meiner Seele sehr vertraut.
Deine Karen.