Wecker

1134: Denke dir, wir hätten alle so einen Wecker, der ist auf eine endgültige Zeit eingestellt.

Denke dir, wir hätten alle so einen Wecker,
der ist auf eine endgültige Zeit eingestellt.

Aber der klingelt schon zweimal vorher.
Da braucht man noch nicht aufzustehen,
nur schon einmal ein bisschen wach werden.

Aber beim dritten Klingeln, da hilft es nichts.
Da musst du halt raus aus dem Bett.

Das war eben das dritte Läuten!
Da geht es nicht mehr ums wollen, da hast du zu folgen…
Verstehst du jetzt?
Für mich war es doch gut so, es war genau richtig so für mich.
Ich bin nicht so plötzlich gegangen, dass kein Abschied war.
Aber auch nicht so langsam, dass ich mich fürchten musste.
Das war Gnade, mir war es wirklich Gnade.

 

Ich bitte meinen Guide, mich mit Marianne zu verbinden.
Ihr Bruder Wilhelm bittet um diesen Kontakt.

Marianne ist schon bei mir, ehe ich alles für das Reading mit ihr vorbereitet habe.
Ganz leise und bescheiden ist sie dahergekommen, hat sich still auf einen Stuhl mir gegenüber gesetzt und lächelnd gewartet.

Einzig eine Bitte hatte sie: Auf meinem Tisch stand ein Behältnis mit sehr guten Räucherstäbchen und sie bat mich, eines anzuzünden.

Uta: Grüß dich Marianne… magst du denn Düfte vom Stäbchen?

Marianne: Ach ja, danke, es ist wie der Wald …

Uta: Ah… den hattest du gern oder einfach schöne Düfte?

Marianne: Ja schon beides! Ja (sie lächelt), die Natur ist doch wundervoll!

Uta: Da hast du recht!

(Sie sitzt immer noch so „brav“ da, die Hände in den Schoß gelegt, die Füße geschlossen nebeneinander und dieses milde Lächeln verschwindet nicht eine Sekunde lang.)

Allerdings scheint sie Schwierigkeiten damit zu haben, ihren Körper darzustellen: Mal ist er füllig, mal schlank.
Das schwankt hin und her, bis sie sich schließlich doch für „füllig“ entscheidet …

Uta: Warum ist es so schwierig für dich, mir deinen Körper zu zeigen?

Marianne: Na, nicht zu zeigen, aber es war halt ein hin und her…
Und: Na, ich erinnere mich nicht so gern an den…

Uta: Bis auf den Kopf?

Marianne lacht: Ja, der war schon nett…

Uta: Und der Körper?

Marianne (seufzt): Ich mochte ihn nie! Nie!

Uta: Weil er dich im Stich gelassen hat?

Marianne: Na, weil ich immer gedacht hab, ich bin so wenig eine hübsche Frau…
Da muss ich schauen, dass ich trotzdem lieb gehabt werde…

Uta: Oh je… und die Krankheit, hat die was damit zu tun?

Marianne: Ich war öfters krank, aber nicht so…
Ja schon, das hat auch etwas damit zu tun…
Ich war eben immer irgendwie beschämt, wenn ich mich gesehen habe…
Es tat mir weh…

Uta: Weißt du warum?

Marianne: Ich glaube, ich habe gemeint, dass ich nicht genug zu bieten habe.
Aber das hab ich wieder gut gemacht.

Uta: Wie das?

Marianne: Na, ich (ringt nach dem richtigen Ausdruck), ich…
Ich habe versucht, ein guter Mensch zu sein…

Uta: Ah, und? Warst du das?

Marianne lächelt bescheiden: Ja, ich glaube schon…
Vielleicht wäre ich das nicht geworden, wenn ich sehr hübsch gewesen wäre…
Es hat alles einen Sinn.

Uta: Ich habe den Eindruck, dass du sehr entspannt bist…
Das liegt aber nicht an mir, oder? (Sie merkt, dass ich das im Scherz sage.)

Marianne: Nein, das glaube ich nicht… bist jetzt enttäuscht (sie scherzt auch und bekommt so ein spitzbübisches Lächeln)?

Uta: Na, es geht so…

(So zu scherzen, das mag sie, sie blüht richtig auf, bekommt rosa Wangen und die Augen fangen an, zu strahlen.)

Du bist glücklich? Verstehe ich das richtig?

Marianne: Ja schon, doch.

Es tut mir wirklich leid, dass ich so viel Kummer bereitet habe, aber ich konnte nicht anders.

Das ist ja nicht mein Wille und Vorsatz gewesen.

Uta: Weißt du, welchen Sinn es hatte?

Marianne: Du meinst den Krebs?

Uta: Ja.

Marianne dreht ein goldenes Armband oder eine Armbanduhr – das kann ich nicht genau erkennen – um ihr Handgelenk und schaut in die Ferne, als suche sie dort nach den richtigen Worten…

Marianne: Ich habe so viel getan und auch so gern für andere, aber ich konnte nicht nehmen, nicht wirklich.

Geben können, das war mir sehr gut, aber das Nehmen, das war mir ganz fremd.

Aber das brauchte ich noch: So eine Zeit, in der ich nehmen durfte.

Sagst du bitte meinem lieben Mann: Ich danke ihm so sehr.
Er hat mir erlaubt, zu nehmen, ohne dass ich mich schämen musste.
Er war… mein Engel in mancher Stunde, sagst du ihm das?

Uta: Dein Bruder Wilhelm muss ihm das sagen.

Marianne: Ja bitte!

Uta: War dann sozusagen die Krankheit geplant?

Marianne: Ach nein, nein, nein!
Das ist doch so: Viele werden sehr krank an all den Giften.
Es hätte auch die Schilddrüse sein können oder das Herz oder die Brüste.
Na ja, dann war es aber doch die Lunge.
Nein, das war nicht geplant, ich wollte das wirklich nie… es ist mir geschehen.

Uta: Es ist dir wichtig, dass deine Angehörigen das wissen?

Marianne: Ja. Das hab ich aber auch erst hier richtig verstanden.
Menschen suchen nach den Ursachen und irgendetwas finden sie immer.

Aber es gibt beim Kranken keine Ursache, wenn er stirbt, außer dass es Zeit ist.

Und ich dachte auch oft, als ich so krank wurde, dass ich für irgendwas bestraft werde.
Ich habe mich wirklich geschämt, dass ich diesen Krebs hatte und mir viele Vorwürfe gemacht.
Ich hab mich sogar geschämt dafür, dass ich sterben werde.

Aber das ist nicht recht.

Wenn einer so krank ist, dann darf er nicht auch noch denken, dass er Schuld daran hat.

Uta: Deine Krankheit, die hatte andere Ursachen als dein Fehlverhalten?

Marianne: Sie war einfach da, weil es Zeit war, zu lernen, dass ich mich DOCH liebhabe und dass ich doch gerne lebe und dass es schön ist, da zu sein, wo ich hingehöre.

Ja, und (überlegt wieder etwas länger)… dass ich WIRKLICH SEHR LIEB GEHABT WERDEN KANN!

Uta: Hast du daran gezweifelt?

Marianne: Immer! Von klein auf, immer (seufzt)!
Ich habe sogar geglaubt: Wenn mich jemand gelobt hat oder gut zu mir war, dass der das nur macht aus Dankbarkeit…

Heute sehe ich das alles ganz anders.

Ohne die Erkrankung hätte ich das doch nie! erfahren!
Ich habe so viel Liebe und Fürsorge erlebt (es kommen ihr Tränen).
Da bin ich so glücklich drüber.
Ich weiß es jetzt – und das nimmt mir niemand mehr – dass ich so, wie ich bin, geliebt werde.

Uta: Möchtest du noch etwas dazu sagen?

Marianne: Ja. Mein Tod war mir sehr peinlich, es tut mir wirklich leid.
Aber ich hab nicht gedacht, dass er mir so freundlich daherkommt.

Es war so, wie es war, mir auch ein Geschenk…
Ich hatte Angst, nur darüber hätte ich nicht gern reden wollen.

Uta: Welche Angst hattest du?

Marianne: Dass ich wochenlang dahinsieche.

Uta: Darüber wolltest du nicht reden?

Marianne: Daran wollte ich nicht einmal denken!
Das war so bei mir, ich konnte das!

Uta: Was?

Marianne: Na, böse Gedanken wegtun in mir.

Uta: Die Dinge schön denken?

Marianne: Ja! Ist das feige?

Uta: Nein… vielleicht ist es Weisheit.
Damit deine Angehörigen es verstehen: Du hast nicht daran geglaubt, dass du den Krebs überwindest?

Marianne: Doch, mein Verstand hat das geglaubt.
Aber ganz tief in mir, da wusste ich, dass es nicht stimmt und da war dann Angst da.

Für mich war es so am besten.
Aber ich frage mich, ob es nicht für alle anderen besser gewesen wäre, sie hätten das gewusst: Dass ich so ein Gespür dafür hatte, dass es Zeit wird, zu gehen.

Wenn es so ist, dann möchte ich mich bei ihnen entschuldigen, es tut mir wirklich leid.
Aber anders konnte ich nicht sein (sie hat Tränen in den Augen).

Uta: Sei nicht traurig darüber, Marianne, auch das hat einen Sinn.
Wer weiß, was daraus für deine Angehörigen zu lernen ist? Hm?

Marianne: Ja schon…

Uta: Marianne, ich würde jetzt gerne beschreiben, wie ich dich empfinde, darf ich das tun?

Marianne: Gern.

Uta: Ich erlebe Marianne als sehr warmherzige Seele, jemand, der einfach gerne mit Menschen gut ist.
Aber so sanft sie ist: Sie hat auch eine bemerkenswerte Durchsetzungskraft und ich bin erstaunt, wie sehr sie den Inhalt und Ablauf dieses Readings selbst in die Hand nimmt.
Hier wird nur und ausschließlich über das geredet, was sie sagen will, was sie zeigen will.
Mir bleibt es hier nur, ihr zu folgen.

Das geschieht freundlich, humorvoll, sanft, aber durchaus hartnäckig.

Ich denke, dass sie Kritik nur sehr schwer wegstecken konnte, dass sie leicht verletzbar war.

Und ich habe den Eindruck, dass sie in krisenhaften Zeiten dann zwischen „Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt“ hin und her schwanken konnte, zumindest in jungen Jahren.

Meiner Ansicht nach konnte sie sich wirklich sehr freuen und das scheint im Widerspruch zu stehen zu ihrer eigenen Aussage, „nicht nehmen zu können“.
Aber das innere Erleben und das äußere zu zeigen, sind ja durchaus zwei verschiedene Aspekte.

Sie unterbricht mich hier und meint, dass sie sich wirklich gern einmal beschenken ließ, das habe sie nicht gemeint.
Aber dass es ihr sehr, sehr unangenehm war, wenn ein anderer Mensch wegen ihr zu leiden hatte oder wenn sie jemanden weh getan hatte.
Das hätte sie gar nicht ertragen können.

Sie gibt mir zu verstehen, dass wir über dieses Thema jetzt bitte nicht mehr sprechen wollen.

Stattdessen möchte sie mir jetzt Bilder geben.

Das erste, was ich sehe, sind spielende Kinder: Ich denke, es ist ein Kindergarten.
Dann kommen Kinder überhaupt in allen möglichen Situationen.
Je kleiner die waren, um so mehr Freude hatte sie.
Aber irgendwas ist bei diesen Bildern auch dabei, das sich traurig anfühlt.

Dann sehe ich ein großes Gebäude: Junge Menschen kommen heraus, also vermutlich eine Schule.
Dem Alter der jungen Menschen nach zu urteilen, eine Berufsschule oder ein Gymnasium.

Jetzt gibt sie mir Bilder junger Tiere…
Alles, was klein und jung ist, scheint ihr das Herz erfreut zu haben!

Als nächstes sehe ich den Eingang eines Hotels oder Gaststätte, sehr hübsch gestaltet.
Ich habe den Eindruck, darinnen soll ein Fest stattfinden und ich spüre Stolz, Ehre, Freude…
Ich weiß nicht, ob meine Wahrnehmung auf sie bezogen ist, habe aber den Eindruck, da hinein zu gehen mit einem Blumenstrauß in der Hand.

Die Versuchung ist da, dies als Hochzeit zu sehen, denn da ist ein weißes Kleid an ihr.

Jetzt sehe ich einen Zug durch ein weites Tal fahren und ich spüre Freude.
Nun ein atemberaubend schöner Anblick schneebedeckter Berge, ich steige irgendwo oben aus und genieße das sehr.

Jetzt sehe ich mich in einer größeren Stadt: Ein grauer Anblick, das Getriebe hier ist so unangenehm…

Jetzt bekomme ich eine seltsame Situation.
Ich sehe mich liegen auf einem Bett oder einer Untersuchungsliege und es ist irgendwas mit dem Unterleib.
Ein Arzt steht da und schüttelt den Kopf und ich fühle mich leer und traurig…

Jetzt sehe ich eine männliche Hand – sonnengebräunt – die zärtlich über meiner liegt, die Hand des Mannes hat einen ganz neuen goldenen Ring.
Am Handgelenk schauen ein paar Haare heraus aus dem weißen Hemd und dann unklar ein grauer oder grüner Anzugärmel aus warmen Stoff…

Jetzt ein Büffet mit sehr fein angerichteten Speisen…

Jetzt der Blick aus einem großen Fenster: Ich habe eine Schreibmaschine vor mir und spüre Langeweile und Sehnsucht, da heraus zu gehen.
Ich bin anscheinend noch sehr jung.

Jetzt anscheinend eine Art Seminarraum, irgendwie „esoterisch“ ausgestattet…
Ich sitze da und soll ruhig und tief atmen und ich höre eine Art Gong…

Jetzt ein Krankenzimmer, ich verstehe den Anblick nicht ganz: Da sind  durchsichtige Planen neben mir wie Vorhänge…
Ich höre ein leises, aber stampfendes Geräusch und bin sehr erschreckt…
Aus diesem Schreck heraus gehe ich in ein anderes Bild, das mir wieder Frieden bringt: Ich sehe Vanillekipferl auf einem Backblech.
Sie duften ganz wunderbar und ich verbrenne mir fast die Finger daran, als ich sie im Puderzucker wenden will.
Ich bin nicht allein dabei, es wird viel gelacht…

Warum ich folgendes Bild sehe, verstehe ich nicht: Männerfüße und einer ist nackt, der andere trägt einen dunklen Socken.
Der Mann sitzt offensichtlich am Bettrand, das Gefühl dazu ist, amüsiert zu sein.

Eine Ansicht einer schmalen Straße, alte Häuser: Mir fallen grün gestrichene Türen und Fensterläden auf.

Ein klarer Fluss, nicht so tief, eine Brücke sehr alt aus Stein führt darüber.
Ich gehe am Rand des Flusses auf einem Weg etwas oberhalb.
Nicht allein, da ist jemand neben mir, der mich sehr glücklich macht.

Ein Zimmer: Ich stehe am Fenster oder Balkontür und schaue auf eine Ortschaft, die mir mediterran erscheint.
Die Sonne geht über den Dächern entweder gerade auf oder unter.

Auch jetzt das Gefühl tiefer Liebe zu Jemandem, der auch da im Raum ist, aber es ist auch Melancholie, die ich spüre.

Uta: Vielen Dank, Marianne.

Marianne: Ach bitte, gern…

Uta: Marianne, wollen wir jetzt die Fragen deines Bruders beantworten?

Marianne: Ja ach, der Liebe. Ich danke ihm.
Sag ihm: Es ist nicht wahr, dass er mir nicht genug Gutes getan hat, das stimmt sicher nicht.
Sag ihm, es tut mir sehr leid, dass ich so eine (verwendet einen Ausdruck, den ich nicht kenne, im Norddeutschen würden wir „Kratzbürste“ sagen) gewesen bin, als ich jung war.
Er hat mich doch nur beschützen wollen und hat mich doch so liebgehabt.

Aber ich mochte mir halt nie hereinreden lassen (sie lächelt).

Uta: Gut ja, dann jetzt die Fragen?

Marianne: Ach ja.

Wilhelm fragt: Warum du, obwohl du so ein lebensbejahender Mensch warst und so lang und stark gekämpft hast, so plötzlich nicht mehr leben wolltest und innerhalb von drei Tagen von ihnen gegangen bist?

Marianne: Ach, dass ich das wollte, würde ich nicht sagen. Es war eben soweit.
Du? Weißt… ich habe schon früher gehen können und da habe ich noch ein Nein sagen dürfen, aber jetzt war es soweit.

Denke dir, wir hätten alle so einen Wecker.
Der ist auf eine endgültige Zeit eingestellt.

Aber der klingelt schon zweimal vorher.
Da braucht man noch nicht aufstehen, nur schon einmal ein bisschen wach werden.
Aber beim dritten Klingeln, da hilft es nichts!
Da musst du halt raus aus dem Bett.

Das war eben das dritte Läuten.
Da geht es nicht mehr ums wollen, da hast du zu folgen…
Verstehst du jetzt?

Für mich war es doch gut so, es war genau richtig so für mich.
Ich bin nicht so plötzlich gegangen, dass kein Abschied war, aber auch nicht so langsam, dass ich mich fürchten musste.
Das war Gnade, mir war es wirklich Gnade.

Dein Bruder fragt: Wenige Tage vor deinem Tod hast du uns gesagt, dass dich, während du geschlafen hast, jemand an der Schulter gefasst hat.

Von deinen Angehörigen war es aber niemand.
Wer war das und was wollte der oder diejenige von dir?

Marianne lächelt: Na, unser Bruder war es, wer sonst…
Er hatte mir gezeigt, dass sie alle sich auf mich freuen.
Meiner Seele hat er das gezeigt, während ich schlief…

Und dann hat er mich zurückbegleitet und mir Mut machen wollen.
Deshalb hat er mich an die Schulter gefasst.

Aber vom Traum vorher hab ich nichts mehr gewusst, verstehst du das?

Wir gehen nicht unvorbereitet, nur dass wir uns kaum erinnern können…
Das vermischt sich dann so.
Das, was wir noch an Erinnerung an den Traum übrig haben, das vermischt sich mit der Realität.
Er wollte mich nicht erschrecken…

Wilhelm fragt weiter: Marianne, warum hast du dich für die grüne Wiese entschieden?
Wir als Angehörige haben deinen letzten Wunsch erfüllt, jedoch haben wir jetzt keinen Ort für unsere Trauer.

Mit dieser Entscheidung kommt unsere Mutter einfach nicht klar.-
Sie sagt immer, dass eine Trauer neben einem Betonkreuz nicht stattfinden kann. Gerne würde sie an einem Grab mit deinem Namen stehen und trauern.

Marianne: Ja, dass es so schwierig für die Mama wird, habe ich nicht bedacht.
Und dass ihr genauso empfindet, auch nicht.

Ich wollte einfach nicht zur Last fallen…
Es sollte Schluss sein damit, dass ich das tue.
Das war alles, mehr habe ich mir nicht dabei gedacht.

Aber ich muss schon sagen: Wenn die Trauer einen Platz draußen braucht und sonst nicht sein kann, was ist das dann für eine Trauer?

Ein Jeder kann sich doch ein schönes Foto hinstellen und von mir aus auch ein schönes Kreuz daneben.
Aber dann ist die Trauer nicht mehr draußen, dann hat sie ihren Platz darinnen, wo ihr lebt und wohnt.

Darüber wäre doch Nähe auch möglich oder nicht?

Ich wollte, dass mein Körper der Natur zurückgegeben wird… mir war das eine schöne Idee.

Muss die Trauer um mich aus dem Haus sein?

Mehr mag ich dazu jetzt nicht sagen.
Es ist eben auch eure Entscheidung, wie ihr mit meiner umgeht.
Aber auch wenn ich nicht bedacht habe, dass ich der Mama einen Ort da draußen nehme, so richtig falsch ist mir meine Entscheidung immer noch nicht.

Uta: Dein zurückgebliebener Ehemann Wilfried möchte wissen, ob er während der Dauer deiner Krankheit und der damit durch ihn geleisteten Pflege alles richtig gemacht hat.
Auch fragt er sich ständig, ob deine Entscheidung für die grüne Wiese richtig war.

Marianne: Ach geh!
Also, was die Pflege angeht: Jetzt sagst du ihm, dass ich ihm dankbar bin und dass er getan hat, was ihm möglich war, das hat völlig gereicht.
Er hat keine Schuld auf sich genommen, im Gegenteil: Ich danke ihm.
Natürlich kann eine Frau manchmal länger einfühlsam bleiben als er als Mann. Das ist ja ganz klar, aber darum geht es doch gar nicht.

Er war da und er hat getan, was er konnte, so, wie er es konnte. Bei mir ist da einfach ganz, ganz tiefe Dankbarkeit.

Bitte sag ihm: Ich möchte, dass er sich erholt.
Für ihn war es auch sehr, sehr schwer und ich will nicht zusehen müssen, wie er immer weniger und weniger wird.

Es ist schon so, dass man unter der Belastung nicht immer nett und freundlich sein kann und auch einmal zornige Gedanken hat.
Weil man einfach nicht mehr kann, erschöpft ist und ausgelaugt.
Das weiß ich doch alles.

Nein, nein, der darf sich nicht schimpfen, das will ich nicht.
Jetzt soll er gescheit leben.
Alles schön in Ordnung halten und dankbar sein, dass wir einander hatten.
Aber er hat noch viel vor sich und ich freue mich darauf, zu schauen, wenn er einmal wieder glücklich ist.

Und die grüne Wiese: Jetzt habe ich dazu doch schon alles gesagt.

Kann sein, es war ein Fehler, weil ich nicht darüber nachgedacht habe, dass es euch Schwierigkeiten macht.
Aber ich denke eben auch immer noch, dass ich doch in euren Herzen wohne.

Ich glaube, vielleicht kommt es euch seltsam vor, weil ich so nicht die Ehre bekomme, die ich verdient habe.

Das kann sein, dass ihr da Recht habt.
Das tut mir leid, ich hab das nicht bedacht.

Mir selbst reicht ein schönes Foto von mir bei euch, vielleicht eine schöne Blume daneben oder wenn ihr mir hin und wieder eine Kerze anzündet.

Uta: Dein Bruder fragt, ob du schon eure Oma, euren Vater und den Bruder Gerhard getroffen hast?

Marianne strahlt: Gerhard hat mich abgeholt und Papa und Oma standen mit Blumen im Licht, es war so leicht, zu ihnen zu gehen.
Oma hat sogar Vanillekipferl gemacht.

Wilhelm, ihr dürft den Tod nicht fürchten, er ist ein Fest!
So viel Freude ist es, dahin zu kommen, das kann ich dir gar nicht beschreiben.

Fürchten braucht ihr nur den Weg dahin.
Lasst ihn vernünftig sein.
Mehr braucht keiner tun.

Geht nicht, ehe alles bereitet ist, er hat seine Zeit.
Aber klammert auch nicht unnötig, das macht es nur schwerer.

Jetzt soll es aber gut sein!

Ich bin in Liebe zu jedem von euch gegangen und ich trage sie immer in mir.

Und wenn für euch der „Wecker“ klingelt, dann bin ich bei euch und sage euch, dass alles, was jetzt kommt, sehr schön ist.

Grüß mir alle

deine Marianne!