1128: Ich hätte nie dein Guide werden können ohne unser gemeinsames Leben vorher.

Ich hätte nie dein Guide werden können
ohne unser gemeinsames Leben vorher.

Du hättest den Mut nicht aufgebracht,
dich einer anderen Seele anzuvertrauen…

Sagte ich „anzuvertrauen“?
Nein, korrekter wäre es zu sagen: zuzumuten…
Denn das ist der eigentliche Schmerzpunkt:
Du hast solche Angst davor, eine Zumutung zu sein.

Liebe, gute Andrea: Aber du bist doch ein GESCHENK!

Dass du das annehmen lernst, das ist der heiligste Auftrag,
den ich als Guide habe.

Schutzengelkontakt

Ich bitte meinen Guide, mich mit dem Guide von Andrea zu verbinden.

Andrea bittet um diesen Kontakt.

Ich bin anscheinend in einem Krankenhaus: ein sehr hoher Raum, schmal, ein hohes Fenster in der Mitte, rechts und links davon je ein Krankenbett, sehr altmodisch.

Im linken Bett liegt eine junge Frau. Ihr Haar ist schweißnass, sie atmet schwer, das Gesicht ist hochrot.

Sie ist unruhig, dreht den Kopf hin und her…

Ich weiß nicht, ob sie schläft oder in einer Art Bewusstlosigkeit ist.
Neben ihrem Bett steht ein einfacher Holzstuhl, ein kleiner Tisch, auf dem ein aufgeschlagenes Buch liegt, ein paar Zettel, eine Geldbörse…

Der Blick aus dem Fenster geht in einen kleinen Park, kahle, große Bäume, der Himmel grau…

Unten sehe ich eine Krankenschwester, die einen Mann mit Kopfverband und anscheinend amputierten Bein ruhig über die Parkwege schiebt…

Wenige Menschen gehen hier. Einige sind Privatpersonen, andere sind in der Soldatenuniform des letzten Weltkrieges. Es ist ein so bedrückender Anblick.

Die Kranke tut mir so leid, ich würde ihr so gerne helfen… es schmerzt, diese junge Frau so elend zu sehen.

Die Tür geht auf. Herein kommt ein recht kleiner, junger Mann, der ist höchsten 1,65 m groß. Weißes Hemd mit offenem Kragen, darüber eine graue Anzugsweste, eine passende Hose dazu.

In der Hand balanciert er eine Schüssel, über dem Arm trägt er ein weißes kleines Tuch ähnlich einer Stoffwindel.

Er trägt eine seltsame Brille: dunkles Gestell, ovale Form, ein Stück eines Bügels fehlt, weshalb sie rutscht. Der Mann schaut mich aus braunen Augen über diese Brille hinweg an.

Er ist ganz ernst.

Ruhig geht er zu der Kranken. Er stellt die Schüssel auf dem Stuhl ab, tränkt das Tuch mit Wasser, wringt es aus und legt es sehr sanft auf die Stirn der Frau…

Die greift nach seiner Hand, klammert regelrecht. Er überlässt ihr seine Hand, setzt sich auf die Bettkante, streichelt den Kopf der Frau.

Sie wird ruhig, ihr klammernder Griff löst sich, sie schläft.

Der Mann steht auf, sieht mich lächelnd an. Ich würde ihn auf Ende Fünfzig schätzen, ein so kluges und sanftes Gesicht.

Ich spüre so viel Liebe in ihm, so viel Tapferkeit, so viel Ruhe. Das muss der Guide sein…

Guide: Ja?

Ja, ich bin Andreas Guide, jedenfalls im jetzigen Leben. In diesem hier hieß ich Karl: Karl Müller. Sensationell, nicht wahr?

„Andrea, wie heißt dein Schutzengel?“

„Karl Müller!“

Wer glaubt denn sowas?

Na du, mein Liebling. Du warst mal Frau Müller: geboren in Potsdam, gestorben in Berlin.

Und du warst meine Frau Müller, gerade noch so meine Frau.

Du hast dir das schon gedacht, dass diese arme Frau hier mit dir zu tun hat. Ja, ach ja doch.

Ich hätte auch ganz anders beginnen können… aber wo?

Von unserer Liebe vielleicht, wie es anfing: Irgendwie fing es gar nicht an…

Es gab nie das große Kennenlernen, weil wir uns schon so lange kannten. Lange, ehe es Liebe wurde.

Wir haben im gleichen Haus gelebt. Ich hatte im Erdgeschoß ein kleines Geschäft für Bilder und Fotografien und du hast über mir gelebt bei der Familie deines Onkels.

Als ich dich kennenlernte, warst du kleiner Fratz von 12 Jahren, schüchtern und voller Pickelchen, mit Beinen so dünn und lang, dass du mich immer an ein Rehkitz erinnert hast.

Dein Onkel und ich waren Freunde seit unser Kindheit. Er hat dich zu sich genommen nach dem frühen Tod deiner Mutter.

Dein Vater war noch zum Ende des Ersten Weltkrieges gefallen, da warst du gerade 6 Jahre alt.

1924 ist deine Mutter gestorben. Sie hat den Tod ihres Mannes einfach nicht verkraftet.

Sie hat getrunken, mehr und mehr heimlich und dich – nur dich, ein kleines Mädchen – als „Schutz / Trost / Helfer“ gehabt.

Missbraucht im Grunde, war es genau das.

Du hast ihr erspart, dass ihre Sucht bekannt wird, hast Ausreden erfunden, hast ihr alles abgenommen. Tapfer, so tapfer!

Aber letztlich zu viel für ein heranwachsendes Kind, viel, viel zu viel.

Als dein Onkel vom Tod deiner Mutter erfuhr und von den Verhältnissen, in denen ihr gelebt habt, ist er aus allen Wolken gefallen.

Eure Tarnung war derart perfekt, dass er nie auch nur das Geringste ahnte, obwohl er und seine Frau gelegentlich bei euch waren.

Es gab eine Cecilie für die Außenwelt und es gab eine für die Innenwelt: eine gespaltene Seele in einem gespaltenen Umfeld.

So was prägt, so was macht tiefe Wunden in einer Seele.

Als du zu deinem Onkel gezogen bist, warst du froh und gleichzeitig hast du dich geschämt dafür.

Denn schließlich bedeutete dies, dass du dich über den Tod deiner Mutter gefreut hast. Und wieder warst du zerrissen.

Gerne gelesen hast du, du hattest so einen Wissenshunger! Und genau der hat uns zusammengebracht.

Ich liebte Bücher, Literatur, Abenteuergeschichten, Poesie und deshalb hatte ich im hinteren Raum meines Geschäftes ein großes, volles Bücherregal.

Einmal in der Woche bist du zu mir gekommen, um dir ein Buch auszuleihen bei mir. So wurden wir vertraut.

Je älter du wurdest, umso mehr freute ich mich auf den Dienstag, deinen Buchtag, wie du es nanntes.

Deine Scheu wich und wir wurden uns so manches Mal gar nicht bewusst, wie viel Zeit wir schon wieder ins Gespräch vertieft miteinander verbracht hatten.

Es war schön, dich erwachsen werden zu sehen… aber auch ein wenig traurig. Eine große, junge, wunderschöne Frau wuchs vor meinen Augen heran.

Aber verstehe mich nicht falsch: Da war noch gar keine Liebe und schon gar kein Begehren…

Es war einfach ein Geschenk für mich, ein Stück deines Weges mit dir zu gehen, zu erleben, wie klug und tiefgründig du wurdest.

UND zu sehen, wie du dich zu einer echten Schönheit entfaltet hast ohne jede Eitelkeit…

Natürlich blieb es nicht dabei. Du hattest dich entschlossen, Lehrerin zu werden und für mich viel zu früh hast du uns verlassen.

Irgendwo in der „Pampa“ Brandenburg hast du deine erste Anstellung als Volksschullehrerin bekommen.

Aber wir blieben im Kontakt. Ein oder zwei Mal im Monat schrieben wir einander und ich spürte, wie sehr ich jeden deiner Briefe sehnsüchtig erwartete.

Fragst du dich, ob wir keine anderen Beziehungen hatten? Doch, hatten wir. Aber nie lange genug, um ins Vertrauen zu finden.

Mangel an Vertrauen in die Liebe eines anderen: Das hätte die „Diagnose“ von uns beiden sein können.

Damals waren selbst gebildete Menschen ohne psychologisches Grundwissen. Wir waren uns einig: Keine Ehe! Niemals!
Keine Kinder, NIEMALS!

Die Freiheit und Unabhängigkeit des Geistes war uns das Größte.

Heute würden wir sagen: Wir hatten einen Kopf und alles andere war uns Nichts.

Nie! wäre ich auf die Idee gekommen, dass du und ich heiraten würden. Nichts wäre mir je absurder vorgekommen.

Ich war 26 Jahre älter als du, ich war mehr als einen Kopf kleiner als du…

Und überhaupt: Das Thema Heirat war für mich abgeschlossen.

Aber dann…

Ja, dann war da der Krieg. Und der kostete Leben, so viele Leben.

Die Frau deines Onkels wurde sehr krank, er war mit ihrer Pflege vollkommen überfordert.

Und NATÜRLICH, ja SELBSTVERSTÄNDLICH – so schien es dir – hast du deine Arbeit, die du sehr liebtest, aufgegeben und bist zurückgekommen.

Mitten im Krieg, der mit jedem Monat bedrohlicher wurde, kamst du aus der sicheren Provinz hierher nach Berlin.

Die Bombardements fingen an: Nächte im Luftschutzbunker wurden zu alltäglichen Ereignissen…

Beim ersten Angriff bist du noch mit mir unten im Luftschutzkeller gewesen, beim zweiten nicht. Eine irrsinnige Angst hatte ich um dich. Wo warst du?

Dein Onkel saß völlig abgestumpft neben mir. Ich fragte ihn, er zuckte nur mit den Schultern und sagte nur: oben bei Else!

Als wäre dass das Selbstverständlichste der Welt. Als ich endlich aus dem Bunker konnte, rannte ich wutentbrannt zu dir hoch.

Die Angst der vergangen Stunden stand dir noch ins Gesicht geschrieben.

Ich schrie dich zum ersten Mal in meinem Leben an. Zum ersten und einzigen Mal war ich wütend auf dich.

„Mach das nie wieder! Hörst du! Nie, nie wieder! Das darfst du mir nicht antun!“

In dem Moment hast du angefangen, zu weinen. Zum ersten Mal nahm ich dich in die Arme.

Und von dem Moment an war es Liebe! Romantisch? Nein… nein, traurig.
Wir liebten uns so sehr, aber die Angst vor der Liebe hatte uns beide völlig blind dafür gemacht.

Es gab kein Warten mehr für uns: Wir gingen zum Standesamt und setzten den Termin für unsere Hochzeit fest.

Wir waren so glücklich, so erlöst und merkten: DAS ist Freiheit, die zählt.

Nicht die des Geistes allein, nein!

Wir waren ganz: Wir waren Geist UND Herz und auch, oh ja, auch Bauch!

Das war Glück! So fühlte sich Seligkeit an. So fühlt sich Zuhause sein an!

Unsere Hochzeit war an einem kalten Novembertag. Wir hatten einige Freunde geladen und die wenige Verwandtschaft, die noch in Berlin und Potsdam lebten.

Nach der Trauung ging es zu einem kleinen Lokal. Trotz der schwierigen Zeiten war es so schön… so heiter, als ich zum gefühlt tausendsten Mal mit dir tanzte.

Und mir dabei völlig egal war, wie das aussah: Wir zwei eng umschlungen, der kleine, alte Mann und die große, schöne Frau…

Da gab es Bombenalarm: Der Luftschutzbunker war eine Strecke weit von unserem Lokal entfernt, wir mussten laufen. Dein Onkel konnte nicht, er hatte zu viel getrunken.
Ich rannte mit dir Hand in Hand los, die Bomben fielen schon in unserer Nähe. Plötzlich hast du dich losgerissen. Mehr weiß ich nicht, irgendwas ließ mich fallen…

Als ich wieder zu mir kam, war es heller Morgen, ich lag mit anderen Verletzten im Eingang eines Hotels, das unversehrt war.

Und du warst nicht da! Ich rannte los, dich zu suchen. Der halbe Straßenzug war zerstört.

Und du? Nirgends. Wie ein Wahnsinniger begannt ich, in den Trümmern zu suchen, es war sinnlos.

Zwei Tage später wurdest du gefunden, völlig desorientiert und stark unterkühlt. Dein Onkel lag neben dir, er hatte nicht überlebt.

Das ist das Ende unserer gemeinsamen Geschichte. Drei Wochen lang haben wir um dein Leben gekämpft, dann bist du gegangen.

Liebste, ich habe dir das Alles nicht erzählt ohne Grund: Heute bin ich dein Guide.

Ich bin FÜR DICH da, wie ich es zu Lebzeiten nie konnte: treu und nah, immer erreichbar.

So bin ich mit dir vom Moment deiner Zeugung an.

Warum du mich zum Guide genommen hast? Weil ich die erste Seele seit so langer, langer Zeit bin, der du je GANZ vertraut hast. Darum!

Einen, dem du zutraust, dass er mit dir ist.

Darum geht es, Andrea: Es geht ums Vertrauen und ums Zutrauen, ohne dich schuldig zu fühlen.

Ohne Angst, zu viel zu nehmen und zu wenig zu geben, darum geht’s.

Ich hätte nie dein Guide werden können ohne unser gemeinsames Leben vorher.

Du hättest den Mut nicht aufgebracht, dich einer anderen Seele anzuvertrauen…

Sagte ich „anzuvertrauen“?
Nein, korrekter wäre es zu sagen: zuzumuten.
Denn das ist der eigentliche Schmerzpunkt: Du hast solche Angst davor, eine Zumutung zu sein.

Liebe, gute Andrea: Aber du bist doch ein GESCHENK!

Dass du das annehmen lernst, das ist der heiligste Auftrag, den ich als Guide habe.

Ja, ich weiß, jetzt kommt: Ja, aber…

Es gibt kein „Aber“: Du bist ein Geschenk.

Und dieses dein Leben ist nicht da, damit du lernst, zu leiden.

Es ist da, damit du dich aus der vermeintlichen Wahrheit deiner Seele löst:
Dass Leben dir IMMER Leiden ist, weil du nicht gut genug, nicht wichtig genug bist.

Es ist da, dich wieder mit der Kraft zu verbinden, die einmal so unbändig stark war: Der Kraft, begeistert zu sein.

Du hast lange gebraucht, um mit mir reden zu wollen. Rationale Gründe finden sich da immer.

Aber der wahre Grund ist, dass du wirklich Angst hast, zu strahlen. Du traust dir nicht zu, dass du glücklich machst. Einfach so, weil du es bist…
Nein, nein: Das KANN doch nicht sein!

Doch, kann es! Nein, MUSS es.
Wird es…
Irgendwann, meine liebste Seele, wird das wahr sein.
Dann wirst du sagen: Es ist wahr: Ich BIN ein Geschenk ans Leben und das Leben ist mir ein Geschenk.

Es gibt kein Wachstum der Seele ohne diese innere Wahrheit!

Es kann tausend Leben dauern, bis diese Wahrheit endlich wahr ist für eine Seele.

Aber egal, wie lange es braucht: Es wird wahr, ganz sicher.

Du kannst vor diesem Weg ins Glück fliehen, aber du wirst immer wieder mit dieser Aufgabe konfrontiert, bis du sie annimmst, bist du sie löst.

Und du entscheidest, Andrea: Du kannst die Aufgabe jetzt annehmen oder nicht.
Du bist ganz frei in der Entscheidung.
Ich bleibe so oder so bei dir.
Aber ich will, dass du es endlich weißt, worum es geht.

So, mein Sternenkind, jetzt will ich mich deinen Fragen stellen.
Was ich dir sagen konnte, ohne dir gegenüber zu sitzen, habe ich gesagt.

Und wenn du dich fragst: Was es ist zwischen dir und mir? Es ist Liebe.

Ich konnte dich im letzten Leben nicht aus deiner Not retten, vielleicht jetzt?

Uta: Andrea schreibt: Ich bin Fotografin und sehr glücklich mit meiner Selbständigkeit.
Seit ca. 2 Jahren habe ich Panikattacken vor jeder Hochzeit, in letzter Zeit sogar vor jedem Familien- und Freundestreffen.
Das drückt sich in Bauchschmerzen und Übelkeit, Herzklopfen und Angst aus. Was ist das und wie kann ich das auflösen?

Karl: Es ist schwierig für mich, hier in schriftlicher Form einfühlsam alles aufzudecken, liebe Andrea.

Zuerst einmal musst du wissen, dass es nichts mit deinem Jetzt / Heute zu tun hat. Diese Zustände sind auch nicht im Jetzt / Heute…

Sie sind erlebte, gelebte Erinnerung.

Nein, nein, nicht nur, aber auch an die Erinnerung deines Todes bei unserer Hochzeit.

Sie sind vor allem Erinnerungen an das, was du im Mutterleib erleben musstest.

Auf einer noch tieferen Ebene sind es Erinnerungen an qualvolle und ausweglose Liebesbindungen.

Liebe / Bindung / Verbundenheit und OHNMACHT und Ausgeliefert sein haben sich in deiner Seele wie ein gordischer Knoten unentwirrbar verbunden.

Jetzt ist die Frage berechtigt, warum diese Panik erst JETZT kommt.

Die Antwort ist: Weil du JETZT die Kraft und die Möglichkeit hast, dieses Thema anzugehen.

Nein, Liebes, das kannst du ausnahmsweise einmal nicht allein.

Ich weiß schon: Am sichersten fühlst du dich, wenn du deine Probleme alleine löst. Bis du jemanden fragst, hast du die Antwort schon selbst.

Das ist aber keine Kernkompetenz, das ist ein Symptom.

Weißt du, was du hast? Du hast ein Trauma! Und du kommst nicht durch deine Erinnerung daran…

Der Zeitpunkt des Traumas liegt außerhalb der Zeit, in der du reden konntest, in der du verstehen konntest.

Deshalb übernimmt deine Körperlichkeit das Reden und deshalb stellt der Auslöser deinem Verstand das Rätsel, das er lösen soll.

(Bedenke: Dabei geht es immer um dein Thema Beziehung in Bindung.)

Aber dein Verstand kann es nicht lösen, weil er sich nicht erinnert.

Du brauchst Hilfe. Nein, nein, nicht einfach meine!

Du brauchst Begleitung, um dies zu lösen.

Warum schreibe ich hier mit dir? Zu wem führt das?
Du weißt es und du hast Angst. Viele, viele „Ja, ABER“.

Niemand wird dir deine Bedenken nehmen, du entscheidest das.
Und niemand nimmt dir ein „Nein, ich will mein Trauma nicht loswerden“ übel…

Aber ich wäre nicht dein Karl, wenn ich dich nicht wenigstens hierherführen würde, damit du entscheiden kannst!

Das kannst du nur, wenn du weißt, um was es geht.

Uta: Sie fragt weiter: Sie hat ein unerklärliches Gefühl von Sehnsucht in sich. Liegt das daran, dass sie nur kurze Zeit mit ihrem Zwilling im Mutterleib war?

Karl: Zum Teil ja, aber nicht so, wie du denkst.
Es war nicht nur schön, diesen Zwilling zu haben.

Das war das Trauma, meine Liebe.

Jedes Trauma hat Folgen: Etwas wird dort zurückgelassen, etwas bleibt dort stehen, etwas vom eigenen Ich, vom Selbst…
Trauma heißt: Ohnmacht erleben und Ausweglosigkeit…

Es geht nicht nur darum, dass du deinen Zwilling verloren hast.
Du hast auch einen Teil deiner Vollständigkeit verloren.
Und danach hast du Sehnsucht: Es ist die Sehnsucht, wieder „Ganz“ zu sein.

Das ist ein Weg, Andrea!
Es ist nicht mit Verstehen getan und nicht mit Wissen erledigt.
Dieser Weg darf und soll sanft sein, denn das Wesen, das da verletzt ist, ist ein ungeborenes Baby.

Das darf heilen, ja? Liebes? Darf es endlich heilen?

Abfinden kann es gut, es ist Meister im sich abfinden. Aber soll es dabei bleiben?

Uta: Andrea schreibt: Ich träume sehr intensiv und habe oft Albträume, in denen ich verfolgt werde.

Ich träume oft von Tornados und von Gewittern / Blitzen, von anderen Menschen / Zombies, die mich verfolgen.
Wie kann ich die Träume deuten?

Karl: Andrea, das ist alles das, was du befürchtest, dass es dir begegnen würde, wenn dein Unbewusstes frei wird…

Dann – so fürchtest du –  BIST du der Tornado, der Blitz, der Zombie…
Aber das Unbewusste wirst du nicht los, es verfolgt dich.

Du brauchst Hilfe, Andrea, mehr, als ich dir hier in Briefform geben kann.

Ja, du SOLLST dir selbst helfen, aber du brauchst Hilfe zur Selbsthilfe.

Uta: Sie schreibt weiter: Ich habe jahrelang die Au-Pair Zeit bei der einer Familie in München verdrängt.

Ist es wichtig für mich, das zu bearbeiten? Wenn ja, wie?

Karl: Der Missbrauch dort war ein weiteres Symptom, aber nicht die eigentliche „Krankheit“, mein Liebling. Die „Krankheit“ ist, dass du das Vertrauen ins Leben verloren hast.

Und dass du vergessen hast, dass du ein Geschenk bist, das gewürdigt werden MUSS! Auch von dir… nicht nur von der „Welt“.
Zuerst von dir!

Uta: Die letzte Frage ist: Ich würde gerne wissen, ob ich ich selbst bin.

Wie kann ich mehr das sein, was meine Seele zum Ausdruck bringen will?

Karl: Ja, ja, ja, du bist du selbst, aber ein traumatisiertes Selbst!

Es gibt nur einen Weg, wieder ganz zu werden: Zutiefst fühlen UND wissen, dass das Trauma vorbei ist…

Liebe Andrea, es wird ein Weg zu gehen sein.
Das Ziel ist es wert, ihn zu gehen, ganz sicher.

Das wird wertvoll für dich und es wird wertvoll für liebenswerte, andere Menschen. Wenn du strahlst, wird es heller, wo immer du bist.

Ich umarme dich, meine geliebte Seelenschwester.
Ich wünsche dir für das neue Jahr, dass du die Kraft aufbringst, die ersten Schritte deines Befreiungsweges zu gehen.

Dein Karl Müller!